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Ihre Unterkunft in Pfronten suchen

Spuren der Geschichte Landschaft ist mehr als du siehst

Als Europäisches Wanderdorf offenbart Pfronten dem Wanderer den Mythos seiner Landschaft. Die  komponierten Wanderwege erzählen von sagenumwobenen Wesen, geheimnisvollen Kräften und verborgenen Schätzen, doch sie entfalten ihren Zauber nicht allein in der Natur, sondern vor allem im Zusammentreffen mit den Menschen des Dorfes und den uralten Spuren der Geschichte. Eine zentrale Rolle spielen dabei die Überlieferungen der örtlichen Sagen.

Der Venedigerkönig & das Schloss am Aggenstein

Die Sage erzählt, dass die Venediger hoch oben am Aggenstein ein unbeschreiblich herrliches Schloss haben sollen. Alle sieben Jahre kann ein Mensch es sehen – und wenn er Glück hat, sieht er auch den Venedigerkönig. Er trägt statt der Krone einen goldenen Kapuzenmantel, den langen Bart aus Gold- und Silberfäden um den Leib geschlungen. Der Glückliche aber, dem sich Schloss und König offenbaren, muss sieben Jahre über das Gesehene schweigen, andernfalls wird er sterben. In seinem Herrschaftsgebiet rund um Aggenstein und Breitenberg duldet der König keinen Übeltäter, der seine Schuld nicht gesühnt hat. Einmal war ein Pfrontener an einem Verbrechen beteiligt und wollte auf kürzestem Weg ins Tannheimertal fliehen. Zwischen Breitenberg und Aggenstein wurde er plötzlich von Kapuzenmännlein aufgehalten, sie verbanden ihm die Augen und führten ihn fort. Als die Binde abgenommen wurde, fand er sich in einem Gerichtssaal vor dem Venedigerkönig und seinen Schöffen. Vor dem Übeltäter stand ein Tisch, auf dem ein Spiegel lag und in diesen hieß ihn der König nun blicken. Darin aber musste der Gefangene seinem Opfer in die Augen blicken und mit ansehen, wie eine Unschuldige bestraft wurde. Da erkannte der Verbrecher, was er verdient hatte und sank tot zu Boden.

Das Venedigerschloss ist nicht real. Und doch ist es wohl das imposanteste Bauwerk – nämlich eines, wie es nur die Natur erschaffen kann. Für die Menschen früher waren die Berge faszinierend und beängstigend zugleich. Über die Jahrhunderte entstanden zahlreiche Sagen, mit denen man versuchte, sich die Landschaft zu erklären. Man personifizierte sie, belebte sie mit geheimnisvollen Wesen und verwob Geschehnisse des eigenen Alltags mit ihr. So landeten wohl auch die Venediger auf dem Aggenstein. Die Bezeichnung »Venediger« geht auf Prospektoren zurück, die im Mittelalter aus Venedig bis ins Allgäu kamen um nach Edelsteinen, Mineralien und Erzen für die Glasproduktion zu suchen. Ihr fundiertes Wissen über Geologie und Natur war den Einheimischen unheimlich, also schrieb man ihnen übernatürliche Kräfte zu und sie wurden kurzerhand Teil der örtlichen Sagenwelt.

Auf dem Wanderweg Sagengipfel das Reich des Venedigerkönigs erkunden: Wanderweg Sagengipfel

Die Ruine Falkenstein
König Ludwig II. letzter Traum

Dei Burgruine Falkenstein ist die höchstgelegene Burganlage Deutschlands. Graf Meinhard II. von Tirol ließ sie um 1270/80 als reine Drohgebärde gegenüber den bayerischen Herzögen erbauen – durch die außergewöhnliche Höhenlage war das Bauwerk jedoch äußerst unpraktisch. 1646 wurde die Burg aus Angst vor den Schweden von den Tirolern niedergebrannt. 1883 schließlich erwarb König Ludwig II. von Bayern die Ruine, um an ihrer Stelle seinen lezten Rückzugsort zu errichten. Ein Schloss, noch prächtiger als das weltberühmte Schloss Neuschwanstein. Christian Jank, Georg von Dollmann und schließlich Max Schultze lieferten ihm mehr oder weniger realisierbare Entwürfe. Das Schloss blieb ein Traum – als der König 1886 starb, war lediglich die Zufahrtsstraße fertiggestellt. Das kleine Burgenmuseum Falkenstein bietet neben Modellen und Exponaten zur wechselvollen Geschichte der Burg Falkenstein auch einen unvergleichlichen Ausblick.

Auf dem Wanderweg Königstraum den Spuren des Königs folgen: Wanderweg Königstraum

Burgruinen Hohenfreyberg und Eisenberg

Die Ruinen Hohenfreyberg und Eisenberg stellen ein bayernweit bedeutsames Ensemble in der Burgenregion Allgäu dar. Dabei ist die Burg Eisenberg die ältere der beiden: gesichert taucht sie erstmals 1340 auf. 1418 lässt der älteste Sohn des Besitzers der Burg Eisenberg, Friedrich von Freyberg-Eisenberg zu Hohenfreyberg, sich sein Erbe auszahlen, um auf dem Nachbargipfel eine Höhenburg im Stil der Stauferzeit zu bauen – und damit seinen Vater zu übertrumpfen. Obwohl das Ende der Ritter und Burgen bereits abzusehen ist, errichtet er eine der letzten Burgenneubauten des Mittelalters als Zeichen der Macht und Bollwerk gegen den Lauf der Zeit. Die Eitelkeit des Bauherren zahlt sich nicht aus, die Baukosten treiben die Familie in den Ruin und sie verliert die Burg. 1646 werden beide Burgen im Zuge einer »Politik der verbrannten Erde« von der Tiroler Landesregierung niedergebrannt und bleiben Ruinen.

Der Wanderweg Drachenblick führt zu den Zwillingsruinen und gibt den Blick frei auf den Falkenstein und Kienberg, die "Wächterdrachen" des Pfrontener Tals: Wanderweg Drachenblick

Die saligen Fräulein am Weissensee

Drei Schwestern herrschten über das Land rund um den Aggenstein. Sie lebten friedlich miteinander, doch eines Tages gerieten sie in Streit: jede wollte ihren eigenen Teil des Besitzes. Zur Mittagszeit forderte die Älteste die Burg und das Land gen Mittag, das aber wollte auch die Jüngste. Da verwünschte die Mittlere
ihre Schwestern: »Dass euch doch die Erde mitsamt dem Grund verschlänge!« Ein Donnerschlag war die Antwort. Krachen und Bersten erfüllte die Luft, Felsen sausten den Berg herab und tiefe Dunkelheit bedeckte das Land. Aus der Tiefe gurgelte das Wasser in wilden Bächen hervor und bis zum Abend war ein See entstanden. Noch oft hörte man die Fräulein vom Seegrund klagen. Auch aus dem Schilf war eine Zeit lang zur Stunde des Frevels eine Stimme zu hören: »Dreien hat es gehört, jede wollte es für sich, keine hat es bekommen – schenke du mir Liebe!« Doch jeder Versuch, die drei Unseligen zu befreien, schlug fehl.

So alt diese Sagen auch sein mögen, sie vermitteln uns heute noch ihre Botschaften und fordern zum Reflektieren und Hinterfragen auf. So sagt uns der Venedigerkönig: »In der Natur kann man so viel mehr sehen, wenn man es mit dem Herzen tut und sich ihr gegenüber respektvoll verhält«. Und das Schicksal der drei Fräulein lässt spüren, dass die Natur uns trägt, ernährt – aber auch zerstören kann. Es gibt noch vieles mehr, was die Landschaft uns erzählt …

Übersichtskarte »Europäisches Wanderdorf Pfronten« - Im Haus des Gastes und über die Prospektbestellung erhältlich