Jodelkurs_im_Allgaeu.JPG
Ihre Unterkunft in Pfronten suchen

Jodelkurs in Pfronten im Allgäu

Beim Jodelkurs in Pfronten den Klang der Alpen lernen. Der Ur-Pfrontener und Jodellehrer Rupert Eberle vermittelt den Teilnehmern neben den Jodel-Grundlagen auch Informationen zur Jodel-Geschichte und macht Stimm- und Atemübungen. Als Abschluss gibt es ein original Pfrontener Jodeldiplom.

Brauchtum

Noch sind diese vier ahnungslos. Christoph, Petra, Claudia und Florian haben sich für einen Jodelkurs in Pfronten angemeldet - und sitzen nun erst mal vor einer Leinwand. Denn ohne Theorie geht es auch beim Jodeln lernen nicht - aber die sorgt bei den Novizen für viele Lacher.

Der Ur-Pfrontener und Jodellehrer Rupert Eberle zeigt dabei auch den Anlassjodler von Fredl Fesl, der mittlerweile Kultstatus hat. Ernst ist es dem Jodellehrer mit den Grundlagen trotzdem, aber die Vermittlung soll eben Spaß machen. So informiert er über die Geschichte des Jodelns und macht mit den Teilnehmern Stimm- und Atemübungen. 

Vielleicht kommen gleich auch ein paar Kühe herüber, dafür wurde der Juchzer nämlich früher gebraucht. Er war ein Kommunikationsmittel für die Hirten, Waldarbeiter und Senner, um sich über größere Entfernungen von Alm zu Alm zu verständigen oder das Vieh zusammen zu treiben. Im 17./18. Jahrhundert wurde aus dem einfachen "io" als Ruf ein "io io io" und bald ein kunstvolles Tönen ohne Worte. Auch die aneinandergereihten Silben wurden immer komplexer wie z.B. holl-o-uu-dii oder hola-ra-di-hü und die Menschen sangen mehrstimmig miteinander. Sinn und Bedeutung sind dabei unbedeutend. Es sind Fantasieworte, die durch die Selbstlaute schön klingen sollen. Das so entstandene Kunstlied, das Kulturjournalisten später "Jodler" nannten, wurde auf der ganzen Welt populär. Mit österreichischen und bayerischen Auswanderern kam es von seiner Geburtsstätte, den Alpen, über Irland bis nach Amerika. Die Menschen dort fanden das ziemlich exotisch und engagierten Jodler sogar neben Feuerschluckern und Kunstradfahrern für Shows. 

Rupert Eberle zeigt, wie man den Überschlag in der Stimme hinbekommt - also der häufige Wechsel von der hohen Kopf- zur tiefen Bruststimme. Der gehört für ihn zum Jodeln unbedingt dazu und eröffnet aus seiner Sicht viel mehr Möglichkeiten als ein "nur" gesungener Jodler. Nur wenn die  gesungenen Silben von Selbstlaut zu Selbstlaut ineinander übergehen entsteht der "Jodelschlag", der eine ganz eigene Dynamik entfaltet.  

Für die Teilnehmer bedeutet das: einfach mal alle Kontrolle sein lassen und ganz ungeniert wie ein Hund oder ein Auto zu jaulen, bei dem die Batterie leer ist. Kleine Tricks, die Wunder wirken und auch richtig Spaß machen. Es geht rauf und wieder runter, vom Kopf und in die Brust und wieder zurück und - ups - plötzlich war da ein Jodler dabei. Jetzt kann der Jodellehrer das erste Lied anstimmen. Zwischen die Strophen des Klassikers "Von den blauen Bergen kommen wir" ist als Refrain ein Jodler eingebaut. Zu mehrt klingt das richtig schön, wie ein wohliger Klangteppich, der sich vor einem ausbreitet und aus dem die Jodler wie kleine Berge empor wachsen. 

Die anfängliche Anspannung ist bald verflogen, die Stimmung heiter und beschwingt. Rupert Eberle nickt zustimmend: „Jodeln hat die gleiche Wirkung wie ein asiatisches Entspannungstraining." Körper und Stimme sind gefordert, trotzdem hat es eine wohltuende Wirkung. Für ihn ist es ein Ausdruck purer Lebensfreude - und auch mal eine Möglichkeit, Frust loszuwerden, wenn man einen Juchzer in die Landschaft loslässt. 

Seit 1973 ist Rupert Eberle beim Jodlerchor "Pfrontner Buabe" aktiv. Traditionen sind ihm wichtig. Als er fünf Jahre alt war, schnappte Rupert Eberle das Jodeln in der Schuhmacherwerkstatt seines Onkels auf. Dieser hörte Schallplatten mit  Jodelgesang rauf und runter. Rupert  lauschte lieber dem Tönen und Singen als in den Kindergarten zu gehen. Bald darauf fing er selbst an zu jodeln und wurde als Talent in der Nachbarschaft herumgereicht. Der tiefere Sinn des alpenländischen Ausdrucks wurde ihm aber erst viel später bewusst, als er in einer Krise steckte. Das Jodeln half ihm, wieder aus dem Loch herauszukommen. Deshalb will er auch anderen zu zeigen, wie gut es tut.

Seit fünf Jahren bietet er deshalb Kurse für Einheimische und Gäste an. Seit diesem Jahr einen dreistündigen Schnupperkurs und das ganztägige "Wandern und Jodeln am Berg" über Pfronten Tourismus, bei dem auch ein Jodeldiplom erworben wird. Loriot lässt grüßen! Spaß ist dabei der ständige Begleiter und gleichzeitig lernt man viel Interessantes über ein wichtiges Stück alpenländischer Kulturgeschichte! 

Fotos und Text von Ingrid Rösner

Kommentare

Keine Kommentare gefunden!

Kommentare werden nur veröffentlicht, wenn ein Name und eine gültige
E-Mail-Adresse eingegeben wurde. Beleidigende, verletzende oder
rassistische Kommentare werden gelöscht.

Mit dem Absenden stimmen Sie den Datenschutzbestimmungen zu.

Newsletter

Melden Sie sich jetzt zum Pfronten-Newsletter an und freuen Sie sich auf Reise-Inspirationen für Ihren nächsten Urlaub in Pfronten im Allgäu, aktuelle Informationen zu Veranstaltungen oder Wissenswertem über die Erlebnisangebote von Pfronten Tourismus. Die Newsletterinformationen sind natürlich kostenfrei und unverbindlich. Informationen zum Datenschutz finden Sie in unserer Datenschutzerklärung. Eine Abmeldung ist jederzeit über den Abmeldelink im Newsletter oder per E-Mail an service@pfronten.de möglich.