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Pfronten, den 2. September 2010
 
 
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pfronten.de » Pfronten erleben » Kultur & Tradition » König Ludwigs letzter Traum

Falkenstein 1277m ü NNDeutschlands höchstgelegene Burgruine. Falkenstein 1277m ü NN
Deutschlands höchstgelegene Burgruine.
König Ludwigs letzter Traum

Das Ostallgäu trägt die Handschrift eines von Geheimnissen umwobenen Königs. Sie wissen sicher, wer gemeint ist. Kein anderer als König Ludwig II. natürlich, der Erbauer von Schloss Neuschwanstein. Sein Erbe ist einzigartig und hat uns in der ganzen Welt berühmt gemacht. Und beinahe hätte uns der Märchenkönig noch berühmter gemacht. Denn neben Neuschwanstein wollte er uns noch ein weiteres Traumschloss vermachen. Und zwar auf dem Falkenstein in Pfronten.

Dort standen zu Lebzeiten Ludwigs II. die Überreste einer Burg, die 1280 von Graf Meinhard II. von Tirol erbaut und im Verlauf des 30jährigen Krieges niedergebrannt worden war. 1883 fasste der Märchenkönig schließlich den Entschluss, die Burgruine durch ein noch imposanteres Burgschloss als Neuschwanstein zu ersetzen. Ein Jahr später wurde die Ruine angekauft und ein neuer Burgweg, 1885 eine Wasserleitung angelegt.

Märchenschloss

Der Entwurf des Bühnenmalers Christian Jank für ein Schloss auf dem Falkenstein mutet märchenhaft an. Diese romantische Vedute sollte aber nur die Phantasie des Königs anregen. Die endgültige Planung übernahm Oberhofbaudirektor von Dollmann. Ein Modell des Schlosses ist heute in München zu bewundern.

Der König starb zu Früh

Unterdessen wurden mehrere Entwürfe für das Schloss auf dem Falkenstein angefertigt und wieder verworfen. Wobei die immer knapper werdenden Finanzmittel König Ludwigs letzten Traum zunehmend bescheidener erscheinen ließen. Und ein Traum blieb das abenteuerliche Bauunternehmen doch. Denn 1886 schied der König aus dem Leben. Wobei die Umstände seines Todes bis heute nicht mit letzter Sicherheit geklärt sind.

Mehr Informationen enthält ein Burgenführer für das Ostallgäu und benachbarte Tirol, den Sie hier von uns günstig bestellen können...



Mehr zur Burgenregion Allgäu hier...

Entwurf für Schloß Falkenstein 1883 des Theatermalers Christian Jank im Auftrag Ludwig II.

Rekonstruktionsversuch der Burg Falkenstein um 1300;
Büro für Burgenforschung Dr. Zeune, Zeichnung M. Hoffmann 2001
Burg Falkenstein, anno 1300 (kurz nach der Erbauung);
Modell aus dem Jahre 2007, Modellbau Planungsbüro amos nach Entwürfen von Dr. Zeune (Büro für Burgenforschung)
Ansicht von Nordosten
Burg Falkenstein, anno 1300 (kurz nach der Erbauung);
Modell aus dem Jahre 2007, Modellbau Planungsbüro amos nach Entwürfen von Dr. Zeune (Büro für Burgenforschung)
Ansicht von Nordwesten
Burgruine Falkenstein bei Nacht Burgruine Falkenstein bei Nacht

Atemberaubende Aussicht

Welchen Einfluss das geplante Schloß auf dem Falkenstein auf den Fremdenverkehr im Pfrontener Tal gehabt hätte, lässt sich bei einem Blick hinüber nach Schwangau erahnen, wo allein auf „Neuschwanstein“ jährlich eine Million Besucher gezählt werden. Beileibe beschaulicher geht es da auf dem Falkenstein zu, der zwar kein Traumschloss, dafür aber Deutschlands höchst gelegene Burgruine (1268 m) zu bieten hat.

Die mystische Ruine in den Wolken...
... und über dem Wolkenmeer

Aus über 600jähriger Burggeschichte

Burgherren aus vergangenenen Jahrhunderten berichteten anläßlich der Eröffnung des neuen Aussichtsturmes am 16. September 2005 über ihren Falkenstein...

Diese drei Figuren wurden ausgewählt, da sie mit wichtigen Epochen der Geschichte der Burg Falkenstein direkt und indirekt verbunden sind und einen historischen Rahmen von der Erbauung der Burg um 1270 bis zur unterbliebenen „Restaurierung“ um 1884/86 aufleben lassen.

©
Verfasst von Dr. Joachim Zeune, Büro für Burgenforschung,
Projektleiter des Leader+-Projektes „Burgenregion Allgäu“, September 2005

Graf Meinhard II. von Tirol-Görz
um 1238 - 1295
"Ich, Meinhard II., Graf von Tirol, Graf von Görz, Herzog von Kärnten, bin zweifelsohne die wichtigste Person hier am Ort, denn ich war es, der bald nach dem schrecklichen Tod meines Stiefsohnes Konradin V., dem letzten Herrscher aus dem mächtigen Hause der Staufer, diese Burg hier oben erbauen ließ. Keine Kosten und Mühen habe ich dabei gescheut, so hoch über dem Land meiner Konkurrenten, der Herzöge von Bayern und der Bischöfe von Augsburg, dieses Feste Haus zu errichten, um unübersehbar und eindringlich meine Ansprüche auf das Erbe meines Stiefsohnes kund zu tun. Füssen, das wichtige Tor zur Via Claudia Augusta, wollte ich samt seinem Umland in meinen Besitz bringen, war doch der alte Römerweg einer der bedeutendsten Handelswege zwischen Nord und Süd, hab ich doch allein am Salzzoll tüchtig verdient!
Gebracht hat mir die Burg allerdings nichts, man hat mich trotz meiner gewaltigen Drohgebärde übergangen. Und weil mir diese viel zu hoch gelegene Burg zu Pfronten kein echtes Bollwerk gegen meine möglichen Feinde sein konnte, musste ich neue Burgen bauen am Fernstein und in Ehrenberg."

Kaiser Maximilian I.
1459 - 1519
"Ich, Maximilian, Kaiser des Heiligen Römischen Reiches (deutscher Nation), stehe hier, weil in meine Zeit der endgültige Untergang des Rittertums und der Burgen fällt. Ich habe gegen die Ungarn und Türken erfolgreich gekämpft, noch viele andere harte Händel ausgetragen, aber die große Schlacht um den Fortbestand des glorreichen mittelalterlichen Kaisertums und des nicht minder glorreichen mittelalterlichen Rittertums ging mir verloren. Den „Letzten Ritter“ nannte man mich, weil ich die Ideale und Werte des Rittertums neu aufleben ließ, vergeblich leider. Bollwerk wollte ich sein gegen den Lauf der Zeit, doch kann nichts gegen die Mächte des Schicksals bestehen. So kommt mir ein Spruch in den Sinn, den ich erst kürzlich gelesen habe: „Die Zeit alles aufreiben tut, ob es wohl schön, auch stark und gut. Endlich in einem Felsen hart, ein Burg nicht ist vorm Fall verwahrt“.
Und so sah ich auch den Falkenstein zu einem öden Bau, einem Burgstall verkommen, kaum mehr bewohnbar, notdürftig instand gehalten – wie so viele unserer einst so stolzen und mächtigen Burgen. Ein Jammer fürwahr."

König Ludwig II. von Bayern
1845 - 1886
"Ich, König Ludwig II. von Bayern, stehe hier, weil mich mit dieser Burg mein letzter großer Traum verbindet. Oft saß ich allein hier oben auf dieser Ruine, auch nächtens, und genoss den grandiosen Ausblick übers das Land, blickte ich hinüber auf die mächtigen altersgrauen Mauerzähne der Burgen Eisenberg und Hohenfreyberg. Tiefstes Mittelalter atmete ich hier, wo allein die Falken hausen, wo die Welt senkrecht abstürzt in Nichtigkeiten, wo Gehässigkeiten, Missgunst, höfisches Heuchlertum und Kriegswahn nicht mehr hinauf dringen. Hierher dachte ich mich zurückzuziehen, hier hätte ich sterben mögen, beschützt von den starken Mauern einer echten Raubritterburg. Fast alle meine Visionen hatte ich mir erfüllt, mein Leben war erfüllt von emsigem Bauen, doch eine große Vision hatte ich noch: die einer mächtigen, turmreichen, waghalsig wie ein Adlernest oder ein Falkenhort gelegenen Raubritterburg, unangreifbar über den Tälern thronend.
Doch so wie man mir meine Macht immer mehr entzog, so wie meine Geldmittel unaufhörlich schrumpften, so schrumpfte auch mein Neubauprojekt Falkenstein. Und so musste ich mich letztlich abfinden mit einem Entwurf, der kaum noch etwas gemein hatte mit dem vorzüglichen Vorentwurf des von mir hoch geschätzten Bayreuther Kulissenmalers Christian Jank.
Der Kauf des Burghügels, der Bau der Straße und der Wasserleitung – weiter kam ich nicht, sollte mir doch alles andere als ein friedlicher Tod auf meiner entrückten Raubritterburg beschieden sein."
© Verfasst von Dr. Joachim Zeune, Büro für Burgenforschung, September 2005

Burgmuseum Falkenstein

Spannende Eindrücke in 1267 m Höhe

Im Mai 2008 wurde auf Deutschlands höchstgelegener Burgruine ein Burgenmuseum feierlich eingeweiht.

Gleich einem Schwalbennest das kleine, aber feine Museum an der 400 m hohen Felswand der Burgruine Falkenstein und bietet dem Besucher durch die großen Panoramascheiben einen unvergleichlichen Ausblick.

Im Inneren informieren Schaukästen, Modelle, Originalexponate und Schautafeln über die Entstehung und wechselvolle Geschichte der Burg, zu deren Besitzer auch der bayerische Märchenkönig II. gehört hat.


Bilder aus dem 2008 eröffneten Burgmuseum


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