
Graf Meinhard II. von Tirol-Görz
um 1238 - 1295
"Ich, Meinhard II., Graf von Tirol, Graf von Görz, Herzog von Kärnten, bin zweifelsohne die wichtigste Person hier am Ort, denn ich war es, der bald nach dem schrecklichen Tod meines Stiefsohnes Konradin V., dem letzten Herrscher aus dem mächtigen Hause der Staufer, diese Burg hier oben erbauen ließ. Keine Kosten und Mühen habe ich dabei gescheut, so hoch über dem Land meiner Konkurrenten, der Herzöge von Bayern und der Bischöfe von Augsburg, dieses Feste Haus zu errichten, um unübersehbar und eindringlich meine Ansprüche auf das Erbe meines Stiefsohnes kund zu tun. Füssen, das wichtige Tor zur Via Claudia Augusta, wollte ich samt seinem Umland in meinen Besitz bringen, war doch der alte Römerweg einer der bedeutendsten Handelswege zwischen Nord und Süd, hab ich doch allein am Salzzoll tüchtig verdient! Gebracht hat mir die Burg allerdings nichts, man hat mich trotz meiner gewaltigen Drohgebärde übergangen. Und weil mir diese viel zu hoch gelegene Burg zu Pfronten kein echtes Bollwerk gegen meine möglichen Feinde sein konnte, musste ich neue Burgen bauen am Fernstein und in Ehrenberg." |

Kaiser Maximilian I.
1459 - 1519
"Ich, Maximilian, Kaiser des Heiligen Römischen Reiches (deutscher Nation), stehe hier, weil in meine Zeit der endgültige Untergang des Rittertums und der Burgen fällt. Ich habe gegen die Ungarn und Türken erfolgreich gekämpft, noch viele andere harte Händel ausgetragen, aber die große Schlacht um den Fortbestand des glorreichen mittelalterlichen Kaisertums und des nicht minder glorreichen mittelalterlichen Rittertums ging mir verloren. Den „Letzten Ritter“ nannte man mich, weil ich die Ideale und Werte des Rittertums neu aufleben ließ, vergeblich leider. Bollwerk wollte ich sein gegen den Lauf der Zeit, doch kann nichts gegen die Mächte des Schicksals bestehen. So kommt mir ein Spruch in den Sinn, den ich erst kürzlich gelesen habe: „Die Zeit alles aufreiben tut, ob es wohl schön, auch stark und gut. Endlich in einem Felsen hart, ein Burg nicht ist vorm Fall verwahrt“. Und so sah ich auch den Falkenstein zu einem öden Bau, einem Burgstall verkommen, kaum mehr bewohnbar, notdürftig instand gehalten – wie so viele unserer einst so stolzen und mächtigen Burgen. Ein Jammer fürwahr." |

König Ludwig II. von Bayern
1845 - 1886
"Ich, König Ludwig II. von Bayern, stehe hier, weil mich mit dieser Burg mein letzter großer Traum verbindet. Oft saß ich allein hier oben auf dieser Ruine, auch nächtens, und genoss den grandiosen Ausblick übers das Land, blickte ich hinüber auf die mächtigen altersgrauen Mauerzähne der Burgen Eisenberg und Hohenfreyberg. Tiefstes Mittelalter atmete ich hier, wo allein die Falken hausen, wo die Welt senkrecht abstürzt in Nichtigkeiten, wo Gehässigkeiten, Missgunst, höfisches Heuchlertum und Kriegswahn nicht mehr hinauf dringen. Hierher dachte ich mich zurückzuziehen, hier hätte ich sterben mögen, beschützt von den starken Mauern einer echten Raubritterburg. Fast alle meine Visionen hatte ich mir erfüllt, mein Leben war erfüllt von emsigem Bauen, doch eine große Vision hatte ich noch: die einer mächtigen, turmreichen, waghalsig wie ein Adlernest oder ein Falkenhort gelegenen Raubritterburg, unangreifbar über den Tälern thronend. Doch so wie man mir meine Macht immer mehr entzog, so wie meine Geldmittel unaufhörlich schrumpften, so schrumpfte auch mein Neubauprojekt Falkenstein. Und so musste ich mich letztlich abfinden mit einem Entwurf, der kaum noch etwas gemein hatte mit dem vorzüglichen Vorentwurf des von mir hoch geschätzten Bayreuther Kulissenmalers Christian Jank. Der Kauf des Burghügels, der Bau der Straße und der Wasserleitung – weiter kam ich nicht, sollte mir doch alles andere als ein friedlicher Tod auf meiner entrückten Raubritterburg beschieden sein." |